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Eine Lesung mit "Mutter Corsage"

09.02.2013

... von Christiane Arndt

Heide Meyer
Heide Meyer
Ein kulturelles Highlight im Winter 2013 war die von Christel Schwiemann organisierte Lesung mit "Mutter Corsage" alias Heide Meyer. Am Samstag, den 09.02.2013 luden wir die Ruderin Heide Meyer ins Bootshaus nach Grünau ein, mit der Bitte, aus ihrem Erstlingswerk "Mutter Corsage – Enthüllungen einer Dessous-Verkäuferin" zu lesen und den Nachmittag bei Kaffee und Kuchen in geselliger Runde zu verbringen. In mir klingt dieser Tag immer noch nach.
Was hätte der Satz von Heide Meyers erstem Chef "Du bist so schön mollig, du gehörst in die Miederwarenabteilung" in heutiger Zeit mit der laufenden Sexismusdebatte um Herrn Brüderle ausgelöst? Wir wissen es nicht genau, aber 1958 hat diese Aussage den weiteren Lebensweg der damals 15jährigen Heide Meyer in zukunftsträchtige Bahnen gelenkt.
In ihrem Buch erzählt Heide Meyer über eine ganze Epoche rund um die Wäsche – also die Entwicklung aus einer Zeit heraus, als es Frauen egal war, was sie darunter trugen, denn es ging ums Überleben im Nachkriegsdeutschland. Spitze und leichte Stoffe kannte Frau noch nicht, das Schnürmieder war eher unansehnlich, wog mehrere Kilo und wurde ein- bis zweimal im Jahr zur Wäscherei gegeben, gebadet wurde nur einmal die Woche, Deos waren noch nicht erfunden, dementsprechend war auch der Geruch in der Miederwarenabteilung.
Heide Meyer ging ihren Weg – zielstrebig und aufrecht. Sie wurde mit 17 jüngste Einkäuferin für Bademoden – in einer Zeit, wo man mit 21 erst geschäftsfähig wurde. 1970 dann als Einkäuferin im KaDeWe veranstaltete sie erste öffentliche Mieder-Modenschauen, die ihr neben begeisterten Kundinnen auch den Zorn der Kirche einbrachten.

Anfang der Siebziger machte sie sich selbständig, jedoch ist nicht jede Zeit für den Beginn eines erfolgreichen Miederwarengeschäfts geeignet. Warum? – Ganz einfach, weil der Bau der Mauer, die sexuelle Revolution, Dallas und Denver, der 9. November 1989 aus den unterschiedlichsten Gründen Einfluss auf das "Darunter" hatten. Wie? – Es kann an dieser Stelle ja nicht alles verraten werden; ich empfehle, einfach mal zum Buch greifen.
Dankeschön!
Und wer sollte das Buch lesen? Ob jung oder alt, ob Mann oder Frau – lesen sollte es einfach jeder, der an einer geschichtliche Zeitreise durch die Unterwäsche teilnehmen möchte, der einen diskreten, aber sehr aufschlussreichen Blick hinter den Vorhang/Tresen eines Dessousgeschäfts wagen möchte und derjenige, der eine Anleitung bzw. einen Beweis für Goethes Spruch "Erfolg hat drei Buchstaben: T U N!" benötigt.

Als Heide Meyer gelesen hat, hatte ich das Gefühl, dabei zu sein, einzutauchen in die Ereignisse und diese direkt mitzuerleben. Gelungen ist ihr das – durch ihre absolut authentische und sehr unterhaltsame Schreibweise und die fließenden Übergänge aus den erzählten Anekdoten zur direkten Lesung aus ihrem Buch. Ihre einfach erfrischende und direkte Art war nicht nur im persönlichen Beisammensein, sondern in jeder Zeile ihres Buches spürbar.




Mutter Corsage – Enthüllungen einer Dessous-Verkäuferin
Heide Meyer, Silke Kettelhake
Knaur Verlag 2012

Letzte Aktualisierung / last update: 10.12.2017