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Historisch buchstabiert: Die Halbinsel Alt Stralau

bei Rudern und Kultur am 20.04.2013

... von Silke Helling

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(Bilder vorhanden!)
A wie altes Fischerdorf vor den Toren der Stadt, das war einst die Halbinsel Alt Stralau, die Christel Schwiemann und die uns inzwischen vertraute Stadtführerin Frau Kramm zum Ziel der Reihe „Rudern und Kultur“ erkoren hatten. Auf einem Rundgang durften wir 750 Jahren Entwicklung dieser Örtlichkeit im heutigen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nachspüren, die zwischen Spree und Rummelsburger Bucht gelegen ist.
L wie los zur Führung ging es für einige Landgänger sowie die fröhliche Besatzung der erfolgreich auf Stralau eingetroffenen Barke am so genannten blauen Kran. Der diente früher dazu, dass Schiffe ihre Ladung löschen konnten und hat nun als Denkmal einen festen Ankerplatz an Land gefunden. Bei herrlichem Sonnenschein spazierten wir weiter Richtung Inselspitze.
T wie die Tübbeckes, aber auch die Familien Kracht und Bahrfeldt prägen die Halbinsel bis heute, unter anderem weil nach ihnen Ufer und Straßen benannt wurden. Sie erinnern an Personen, die in der Ortsgeschichte eine wichtige Rolle spielten, beispielsweise als überregional bekannte Gastwirte, als Bildhauer, Gemeindevorsteher oder Fabrikbesitzer. Etliche von ihnen fanden auf dem idyllisch gelegenen Friedhof ihre letzte Ruhe.

S wie Stralauer Fischzug, das war ein erstmals 1574 nachgewiesenes Dorffest, begangen jährlich im Hochsommer. Die Obrigkeit hatte den Fischen zwischen Ostern und 24. August eine Schonzeit und damit den Fischern eine Zwangspause verordnet. Die Wiederaufnahme der Fischzüge am Ende der Frist entwickelt sich aus einem kleinen Dorffest zu einem weit über Berlin hinaus berühmten Spektakel mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde nicht mehr gefeiert und es gab nur noch eine kurze Wiederbelebung in den 1950er Jahren.
T wie Tunnelbahn, das war eine technische Pionierleistung, bei der zwischen 1895 und 1899 ein Tunnel unter der Spree zwischen Stralau und Treptow gebaut wurde. Die knapp einen halben Kilometer lange Röhre, entstanden auf Basis der bis heute angewandten Methode des Schildvortriebs, lag gut 12 Meter unter der Wasseroberfläche und hatte einen Durchmesser von rund 4 Metern. Sie diente als Test für spätere U-Bahnbauten und wurde bis 1932 mit einer Straßenbahn der Strecke Stralau-Schlesisches Tor betrieben. Ein Stab, den die Fahrer ihrem Gegenzugsfahrer übergeben mussten, regelte die sichere Durchfahrt im eingleisigen Tunnel.
R wie Rudern, das war und ist typisch für Alt Stralau. Etliche Berliner Rudervereine haben hier ihren historischen Ursprung. Eine von Frau Kramm präsentierte Zeichnung Heinrich Zilles wurde fachkundig sofort als eine Ansammlung von Rudererporträts identifiziert! Bis heute ist die Halbinsel ein Standort von Werften und privaten Bootsplätzen, aber auch ein Ziel zahlreicher Schifffahrtslinien aus den Bereichen Industrie oder Touristik.
A wie alte Kirche, das ist die 1464 geweihte evangelische Kirche. Sie wurde Anfang des 19. Jahrhunderts nach Plänen von Friedrich Wilhelm Langerhans in Teilen neu erbaut. Gegenwärtig erfolgt eine Sanierung und im August 2014 soll das 550jährige Jubiläum festlich im neuen Glanz begangen werden. Für die Innenausstattung werden noch Sponsoren, so genannte „Stuhlpaten“ gesucht!
L wie lebendiges Denkmal in Nutzung, das ist die alte Schule in Backsteinoptik mit dem expressionistischen Anbau, dessen Dachterrasse als Austragungsort der Turnstunden genutzt wurde. Zu DDR-Zeiten befand sich in der heutigen Thalia-Grundschule ein Wohnheim der Jugendhilfe. Seine Geschichte unter dem traurigen Titel „Strafen statt Verständnis“ wird gemeinsam mit ehemaligen Heimkindern derzeit erforscht.
A wie aus alt mach neu, das betrifft den Erhalt wertvoller historischer Wohnsubstanz, wie etwa die Werkswohnungen der ansässigen Brauerei oder der Flaschenfabrik vom Ende des 19. Jahrhunderts. Daneben wuchsen seit 1989 bereits vielgestaltige Neubauten und bewirkten eine Wandlung vom Industriestandort zum prominenten innerstädtischen Naherholungs- und Wohngebiet.
U wie und am Schluss? Wir haben beim ansässigen Italiener im Freien gut zu Mittag gegessen. Nach und nach erreichte die wärmende Sonne beinahe jeden aus dem Teilnehmerkreis und bei manchen befeuerten zudem scharfe Speisen die innere Heizung. Danach ging es mit der Barke heimwärts und eine wiederum gelungene Veranstaltung bleibt uns in bester Erinnerung!

Letzte Aktualisierung / last update: 17.07.2017