Veranstaltungen

... zurück zur Startseite




Zu unserem Veranstaltungsplan
Dieser öffnet in einem gesonderten Fenster, Ihr findet dort die aktuelle Planung unserer Termine ...
Nachfolgend könnt Ihr unsere immer wieder interessanten Berichte aus dem Vereinsleben lesen (diese sind teilweise mit Fotos aus unserer Galerie verknüpft, sofern vorhanden ...). Aufgrund unserer vielen unterschiedlichen Aktivitäten sind die Berichte nach Jahren unterteilt.

201720162015201420132012201120102009200820072006200520042003

<<<    zurück zur Auswahl (2017)     |     05 / 2014:

Müggelsee-Achterregatta 2014

Ein ganz kleines Sommermärchen

... von Anne Sauermann

zu diesem Bericht gibt es Bilder --> ansehen
(Bilder vorhanden!)
Ein Mensch ist mit 17 Jahren jung und kaum erwachsen, eine Regatta darf sich nach 17 Jahren schon traditionell nennen. So gehört die Müggelsee-Achterregatta bei Turbine ganz selbstverständlich zum Sommer dazu, wie ich schnell lernte. Da in diesem Jahr jedoch kein Männerboot zustande kam, musste das Projekt Müggelseeachter ganz neu aufgerollt werden. Dass Turbine auch in diesem Jahr mit einer Mannschaft antreten würde, stand nicht zur Debatte, nur über das Wer und Wie wurde viel diskutiert.
Im Dresdner Ruderverein habe ich rudern gelernt und bin dort quasi im Regattabetrieb aufgewachsen. Diesem Leistungsdruck und Stress wollte ich eigentlich mit meinem Eintritt bei Turbine abschwören. Mitte Mai war ich gerade erst drei Wochen Mitglied, als ich aus dem Buschfunk vom Müggelseeachter hörte und als Ralph mich fragte, ob ich vielleicht auch Lust auf einen Platz in der Mannschaft hätte. Vielleicht eine einmalige Chance als Frau? Zum ersten Mal auf der Langstrecke antreten? Die Möglichkeit, in der Königsklasse aller Boote zu starten? Eine Versuchung, der ich trotz aller Vernunft nicht widerstehen konnte.
Eine konstituierende Sitzung wurde einberufen. Die Hälfte der angehenden Achterfahrer kannte ich noch nicht. Vielleicht war das Ganze doch eine Nummer zu groß für mich? Ihr habt mich mit Herzlichkeit in euer Boot aufgenommen, habt mir als Neuling im Verein viel Vertrauen entgegengebracht. Dafür möchte ich euch als Mannschaft sowie dem ganzen Verein sehr herzlich danken.
Am Ende unseres ersten Treffens stand der Plan für den Müggelseeachter fest. Wir würden als Mix-Achter mit vier Frauen und vier Männern starten, auch wenn wir wegen fehlender Mixed-Ausschreibung bei den Männern starten mussten. Da es bei den Frauen jedoch mehr Anwärterinnen als Plätze gab, sollte die Stammmannschaft nach unserem ersten Training festgelegt werden, einen Monat vor der Regatta.
Bei strahlendem Sonnenschein legten wir mit der Klingelhöfer zum ersten Mal ab. Liane und Philipp begleiteten uns mit der Videokamera im Motorboot. Jeder arbeitete an sich und seinen Technikfehlern, die wir nach vollendetem Training im Saal auf Großleinwand für jeden Einzelnen inspizierten. Die Videoanalyse bot uns eine die perfekte Möglichkeit, unsere Fähigkeiten und unser Zusammenspiel untereinander objektiv zu vergleichen, sodass letztendlich jeder mit der Festlegung der Stammmannschaft leben konnte. Im Müggelseeachter von Turbine sollten am 28. Juni 2014 starten:
Ralph, Philipp, Kathi, Janin, Susi, Anne, Heinz, Jan und Stm. Henry
In den folgenden Wochen bereiteten wir uns so intensiv wie möglich auf die Regatta vor. Drei weitere Trainingstermine wurden angesetzt, von denen wir immer nass bis auf die Socken zurückkehrten. Wettermäßig probten wir den Härtefall und auch sportlich wurden wir von Henry nicht geschont. Spätestens bei der Generalprobe mit 6 Kilometern Streckenschlag wusste die ganze Mannschaft genau, was auf uns zukommen würde. Besonderer Dank gebührt an dieser Stelle Markus, Karsten und Daniel, die ganz kurzfristig für das Training im Achter eingesprungen sind und sich mit uns schinden lassen haben.
Trotz allen Eifers und aller Vorfreude lief vor der Regatta nicht alles glatt. Wegen Krankheit musste Kathi ihren Platz im Achter an Ilona abgeben, zwei Wochen vor der Regatta. T-Shirts im Vereinslook mit der Aufschrift „Müggelseeachter“ und unserem Namen wurden gedruckt. Vielen Dank an Susi, die sich darum gekümmert hat und uns sogar die Flagge auf die Brust gebügelt hat. Die letzte böse Überraschung erwartete uns, als Ilona sich das Handgelenk verstauchte. Schweren Herzens musste sie schließlich ihren Platz an Liane als zweite Ersatzfrau weitergeben, nicht einmal eine Woche vor der Regatta.
28. Mai, 9 Uhr am Bootshaus – die Mannschaft ist versammelt, die Klingelhöfer geht bei freundlichem Wetter zu Wasser. Beim Anlegen in Friedrichshagen ist noch nicht viel los, die anderen Mannschaften treffen nach und nach ein. Uns entgehen die etwas skeptischen Blicke nicht, die wir als Mix-Mannschaft von den anderen Vereinen ernten. Auch wenn es keiner ausspricht, ist uns allen schon vor dem Start klar, dass wir in der Männerkategorie keinen Sieg einfahren werden. Das Ziel, für das wir gemeinsam trainiert haben und auf das uns Ralph als Obmann vor dem Rennen einschwört, ist alles zu geben, den Männern Paroli zu bieten und nicht das letzte Boot zu werden.
Wir starten als zweites Boot pünktlich um 13 Uhr vor dem Ruderverein Ägir. Der Start gelingt, wir kommen gut in Fahrt. Aber wir sind noch nicht einmal auf dem Müggelsee, als uns der nachfolgende Achter von SV Energie in die Realität zurückholt, er kommt mit beängstigender Geschwindigkeit näher. Bei widrigen Bedingungen fahren wir auf den Müggelsee hinaus, wo uns unser Fanboot mit Ilona, Raphael und Lampe zujubelt und anfeuert. Das gibt Kraft, genauso wie Henrys eindringliches Dampfmachen. Energie überholt uns noch vor der Wende. Die Wellen werden höher, sodass jeder mindestens eine Ganzkörperdusche abbekommt. Müggelsee hautnah, ein Erlebnis für alle Sinne. Die geschwenkten Fahnen unseres Fanbootes im Blick verlassen wir den Müggelsee und setzen zum Endspurt an. Die Zielhupe ist eine Erlösung. Völlig durchnässt, am Ende aller Kräfte, aber glücklich legen wir beim Friedrichshagender RV an.
Der Rest des Nachmittags bedeutet Erholung bei Bier, Cola und Bowle – und Warten auf die Auswertung, auf die Gewissheit, ob wir unser ganz persönliches Ziel erreicht haben. Der Bootsplatz ist rappelvoll, Helene Fischer ist mit dabei, gelöste Stimmung. Die Sonne knallt erbarmungslos, was vor allem Jan zum Verhängnis wird. Es werden alte Bekannte getroffen, Geschichten erzählt, es wird getanzt – freiwillig und unfreiwillig – der Tag genossen. Einige Stunden später, als genug Steaks gegessen worden sind und genug Bier durch die Zapfhähne geflossen ist, beginnt endlich die äußerst feierliche Siegerehrung. Ägir feiert sein 100jähriges Jubiläum, was den nicht einmal halb so alten Vorsitzenden ins Philosophieren bringt. Nicht nur wir werden ungeduldig. Platzierungen werden verlesen, Sektkorken knallen, Steuermänner und -frauen platschen ins Wasser. Aber leider dürfen wir nicht mitfeiern. Wir haben unser persönliches Ziel nicht erreicht, wir sind der achte Achter von acht Achtern geworden. Wir zwingen uns zum Optimismus, auch wenn uns die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben steht.
Auf der Heimfahrt war es still, wir legten mit gemischten Gefühlen bei Turbine an. Erleichterung darüber, dass bei unserem Rennen vom Start bis zum Schlusssprint alles gut funktioniert hatte, mischte sich mit Enttäuschung und Bitterkeit, weil wir unserem eigenen hoch gesteckten Anspruch nicht gerecht werden konnten. Wir ließen den Regattatag auf der Veranda beim Grillen ausklingen. Ich hoffe, dass auch ihr diesen Regattatag trotz allen Ehrgeizes als schönes Erlebnis in Erinnerung behalten werdet.
Was lernen wir daraus? Immer mindestens zwei Ersatzleute bereithalten. Frauenpower in allen Ehren, aber gegen Männer mit Big-Blade-Skulls siegt letztendlich doch der Realismus. Vielleicht sollte Turbine den Müggelseeachter anders denken, wenn inzwischen auch Boote von Ostsee und Weser an den Start gehen und nicht mehr vorrangig der Spaß am Sport im Mittelpunkt steht. Die Müggelsee-Achterregatta war auf jeden Fall ein tolles Ereignis, an dem Turbine hoffentlich auch in den kommenden Jahren teilnehmen wird.

Letzte Aktualisierung / last update: 05.10.2017