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Nachfolgend könnt Ihr unsere immer wieder interessanten Berichte aus dem Vereinsleben lesen (diese sind teilweise mit Fotos aus unserer Galerie verknüpft, sofern vorhanden ...). Aufgrund unserer vielen unterschiedlichen Aktivitäten sind die Berichte nach Jahren unterteilt.

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Eisbeine, Nachtwächter und Schlossgespenster

Das "Eisbeinessen der Damen" am 15.02.2008

... von Silke Helling

Die Männer essen Eisbeine und die Frauen holen sich welche - während einer nächtlichen unterhaltsamen Stadtführung! So war die Aufgabenteilung der Geschlechter beim traditionsreichen Turbineevent im Februar Anno Domini 2008.
Alldieweil wir Mägdelein uns im Herzen der Stadt an der Kirche des Heiligen Nikolai versammelt hatten, gesellte sich zu uns der hiesige Nachtwächter samt seiner Laterne. Diesem leuchtenden Schein und noch mehr dem Jüngling mit lockigem Langhaar folgten wir nur zu gern. Ohne ihn hätten wir edlen Frauen uns in den Sagen und Moritaten um die Geschichte Berlins unrettbar verloren. Zwei schaurig schöne und klirrend kalte Stunden entführte er uns in die Welten hinter dem Zeitenhorizont. Plastisch erstanden sie vor unseren Augen, die einst diesen Ort gegründet und geformt, die daselbst gelebt und gelitten.
Der Chronist geleitete uns auf Pfaden innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer von 1250: vorbei am historischen Schankhaus "Nussbaum", wo Maler Zille gern verweilte, hernach zum "Paddenwirt", bei dem sich Frösche zuhauf am Bier gelabt hatten und zu Dichter Lessings Behausung. Zitternd vernahmen wir die Kunde vom Riesen aus den Müggelbergen, dessen Schulterblatt und "Rippe" noch sichtbar die gleichnamige Wirtschaft zieren. Ungläubig hörten wir vom grausamen Prozess in der hiesigen Gerichtslaube: der enthaupteten Leiche eines Raubritters wird nachträglich der Prozess gemacht, Richtspruch: Todesstrafe!
Schaudernd folgten wir hernach dem Laternenflackern über die Spree hinüber ins alte Cölln. Am Marstall erfuhren wir die traurige Hohenzollernsaga von der Weißen Frau. In der Hoffnung auf Liebe meuchelte sie dereinst ihre beiden Kinder, die Hoffnung zerbrach und die Mörderin an ihrer Tat. Bis in jüngste Tage begleitet sie die Herrscherfamilie nun als Schlossgespenst, fürderhin auch ohne das Schloss.
O jeh, unter der Straße vor Ribbecks Haus ruhen noch fünf Preußenherrscher in ihren Särgen, die man vergaß beim Umzug in den neuen Dom, wie wenig achtsam! Am alten Markt verweilte unser Blick auf der Fischerinsel und dem historischen Hafen. Die Mühlendammschleuse gedieh zur nächtlichen Kulisse für die Gründungssaga der Stadt. Ein Wendenfürst, das Dorf Stralau, christliche Märtyrer und ein zorniger Herrscher, der hier sein "Bärlin" in den Sumpf siedelt, - davon vernahm unsere Mägdeschar. Allbevor wir schließlich ganz erfroren deuchten, zogen wir noch vorbei an der Kirche Georgenparochial samt ihrem historischen Friedhof und den Ruinen der frühen Stadtmauer.
Ach, wie heimelig leuchteten die Scheiben der ältesten erhaltenen Schankstube von 1621 "Zur letzten Instanz" dann vor uns auf! Herinnen fanden wir wärmenden Schutz und labten uns köstlich an Speisen und Tränken voll wohltönender Namen. Ein wahrlich schöner Abend verging wie im Zeitenflug. Herzlich beehren wir uns nun, Dank anzuzeigen der edlen Frau Christel Schwiemann für gar vorzügliche Präparation der weiblichen Lustbarkeit!

Letzte Aktualisierung / last update: 05.10.2017