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Paul-Löbe-Haus

Parlamentsalltag an einem Sonntagnachmittag

... von Silke Helling

Am Sonntag, den 09.11.2003, trafen wir uns nachmittags zur Besichtigung des Paul-Löbe-Hauses.
Hier finden die wichtigen Ausschusssitzungen des Deutschen Bundestages statt, und zahlreiche Abgeordnete arbeiten in den Büros. Nur nicht am Sonntag, da durften wir mal schauen. Die freundliche Frau Kronenberg führte uns sachkundig in die Feinheiten der Demokratie und in die Architektur des Hauses ein.
Nach Sicherheitscheck und schwungvoller Begrüßung durch die automatischen Türen - auf, zu, auf - passierten wir den Tunnel, der uns in das riesige Atrium des Hauses führte. Wir erfuhren, dass der Namensgeber Paul Löbe ein Reichstagspräsident war, den die Nationalsozialisten 1933 abgesetzt hatten. Doch 1949 konnte er als Alterspräsident den ersten deutschen Bundestag eröffnen und thematisierte bereits damals visionär die Wiedervereinigung sowie den Bau eines gemeinsamen Europa.

Der Gesamteindruck vom Haus: Alles steckt voller reicher Symbolik und ist mit viel Hintersinn konzipiert. Der renommierte Architekt Stephan Braunfels schuf eine domartige Halle mit Wandelgalerien, die auf vier Etagen immer neue Aus- und Einblicke erlauben. In diese Außenhaut setzte er vier sich verjüngende Rundbauten, in welchen die Säle für die Ausschusssitzungen liegen.
Durch eine kammartige Raumstruktur gelang ihm dann noch die Unterbringung der unglaublichen 1 000 Büroräume. Er verteidigte sein Konzept gegen jegliche Änderungswünsche, was ihm nicht immer gelang - dann wurde er richtig grantelig!
Wir lernten außerdem etwas über die Schönheit von Beton und wie die Industrie sich bei der Arbeit am Bau von Stockwerk zu Stockwerk sichtbar verbesserte. Und wir erkannten die zahlreichen Treppen als Metapher für das Auf und Ab der Demokratie bzw. als "biblische Himmelsleitern". Oder als Wege in die Hölle, wie eine Besucherin schmunzelnd vermutete …

Frau Kronenberg ließ uns zwei der runden Ausschusssäle besichtigen, mit Sitzprobe und Mikrofontest durch unsere jüngste Teilnehmerin Sonja. Voller Detailkenntnis erläuterte sie uns dann zahlreiche Kunstwerke am Bau: die filigranen, bunten Lichtbögen an der Decke, die den Architekten wütend gemacht hatten; die metallischen Buchstabenintarsien im Boden mit klugen Versen von Ricarda Huch und Thomas Mann oder die zwei Gärtnersilhouetten auf Leitern, die die Demokratie pflegen sollen.

Richtig Ärger gab es mit dem knallrot-orangenen Gerüstbau, der einen Innenhof eher verunziert, wie die Mieter der umliegenden Büros finden. Sehr beliebt dagegen der Hof, bei dem Sandsteinscheiben die Grünfläche schmücken, von denen jede Daten der deutschen Geschichte oder Literatur trägt. Über einen Spiegel fällt auf jede von ihnen einmal jährlich punktgenau das Sonnenlicht. Und nicht zu vergessen das interaktive Lieblingskunstwerk unserer Gruppe am Schluss: acht bunte Sitzbänke, die bei Po-Kontakt im darunterliegenden Geschoss acht farblich passende große Kugellampen aktivieren oder wieder erlöschen lassen. Heinz L. saß unbeweglich auf einer puffroten Bank … und als Irmchen kam, gingen plötzlich alle Lampen gleichzeitig an …

Voller neuer Eindrücke begaben wir uns Richtung Ausgang, wo sich Christel mit Pralinen für die charmante, kluge Führung bedankte. Die süße Schachtel enthielt garantiert keine Bomben, ausser Kalorienbomben! Ein Teil der Gruppe nutzte dann noch die Gelegenheit, ohne Anstehen und ganz bevorzugt Richtung Reichstagskuppel geleitet zu werden.

Mit dem malerischen Blick auf die leicht nebelverhangene, weitläufige Silhouette der Innenstadt endete ein informativer Sonntagnachmittag. Für die Vorbereitung und Organisation bedanken wir uns ganz herzlich bei Christel! Vielleicht auf ein Neues, wenn später das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus für die Öffentlichkeit zugänglich ist?!

Letzte Aktualisierung / last update: 17.07.2017