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Nachfolgend könnt Ihr unsere immer wieder interessanten Berichte aus dem Vereinsleben lesen (diese sind teilweise mit Fotos aus unserer Galerie verknüpft, sofern vorhanden ...). Aufgrund unserer vielen unterschiedlichen Aktivitäten sind die Berichte nach Jahren unterteilt.

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Westmasuren Oberland

... von Winfried Spychalski

Seit langer Zeit wollte ich wieder das Oberland in Westmasuren berudern. Da es durch teilweise unwegsames Land geht, ist es mit Gepäck im Boot sehr angenehm zu reisen. Zu diesem Plan gehörte es deshalb, die breiten und wellengängigen Boote Aller und Weser aufzubauen und mitzunehmen.
In der größten Julihitze trafen sich die zehn Teilnehmer zu einer achtstündigen Autofahrt nach Marienburg. Nach etwas Suchen wegen nur fast richtigen Angaben des Navi, fanden wir unser Gästehaus hinter einer Betonmauer mit Stacheldraht und Hundelaufdraht. Abends wurde noch die Marienburg besichtigt. Die Burg wird ständig weiter aufgebaut und nach meinem letzten Besuch gab es wieder sehr viel Neues zu besichtigen. Wir schafften den Rundgang genau bis Toresschluss. Danach wurde noch ein Imbissstand leergefuttert und ein Supermarkt geplündert.
Am nächsten Morgen durften wir unsere Boote an einem nahe gelegenen Privatstrand im Nogat einsetzen. Es wurde hierbei die Geländetüchtigkeit unserer Autos getestet. Schnell waren die Autos und der Hänger bei unserem Nachtquartier im Apfelhain abgestellt. Bei der Autoschlüsselabgabe an unseren Gastgeber erzählte er uns, dass er schon viele deutsche Autos in Polen verkauft hat…
Zuerst ging es den Nogat zwei Kilometer stromauf zum Fotostopp vor der Marienburg. Hier bescherte uns eine dunkle Wolke den einzigen Regenschauer in den acht Tagen der Ruderfahrt. Mit leichter Strömung und Schiebewind ging es den Nogat hinab. An der letzten der beiden Schleusen wurde im Schatten uralter Eichen Mittagspause gemacht. Bei moderaten 34°C ging es dann weiter bis Elbing. Bei der Abfahrt vom Nogat lag Elbing schon greifbar nahe. Es dauerte aber noch elf weitere schweißtreibende Kilometer, bis wir den Zeltplatz mit den bestellten Zimmern erreicht hatten. Elbing war mal eine große Hafenstadt. Seitdem die Russen keinen Frachtverkehr nach Elbing durch Pillau mehr zulassen, ist hier Totentanz. Nach dem Krieg wurde die Altstadt bis auf die Keller fast vollständig abgetragen und in Danzig als Danzig wieder aufgebaut. Jetzt wurde hier vieles wieder aufgebaut. In einem der kühlen Keller ließen wir uns das Abendbrot munden.

Am Sonnabend waren nicht nur 38°C angesagt, sondern auch der Höhepunkt der Fahrt: die Rollberge. Um sechs Uhr war deshalb Frühstück angesagt und um sieben Uhr Abfahrt. Beim Ablegen merkten wir, dass unsere Boote Junge bekommen hatten. Onkel Hubert und Goliat von Baume, welche die Fahrt in umgekehrte Richtung gemacht hatten, waren zu Besuch gekommen. Schon jetzt wurden wir wegen des kühlen Biergartens oberhalb des letzten und fünften Rollbergs beneidet. Aber erst einmal sollten fast 20 Kilometer bis zum ersten Rollberg geschafft werden. Hierbei überquert man den vollkommen mit Seerosen zugewachsenen 15 Kilometer langen Drausensee. Ein einmaliges Naturschauspiel. Vor den Rollbergen herrschte großer Andrang. Drei Dampfer und fünf Segelboote waren vor uns dran. So mussten wir fast zwei Stunden warten und hatten Zeit, die Anlage zu besichtigen. Hinter uns kamen dann noch einmal circa acht Segelboote. Das war der starke Wochenendverkehr am schönsten Tag im Jahr. Die Rollberge, deren Wagen vier Vierern oder einem Dampfer Platz bieten, möchte ich nicht beschreiben. Dazu gibt es genügend nachzulesen und Bilder. Man überwindet hier auf fünf Bergen 100 Meter Höhenunterschied mit riesigen Schurrenwagen, welche nur mit Wasserkraft angetrieben werden. Eine Fahrt hiermit ist ein Höhepunkt in jedem Ruderleben, den man nicht mehr vergisst.
Oben am letzten Berg erwartete uns neben einem schönen Bootsanleger besagter Biergarten. Besonders von den mit Blaubeeren gefüllten Maultaschen konnten wir nicht genug bekommen. Zu einem Mittagschlaf lud die schattige Wiese unterhalb des Gedenksteins für den Erbauer der Rollberge Steenke ein.
Obwohl es hier einen nagelneuen Zeltplatz gibt, aber das Wasser nicht zum Baden einlud, fuhren wir am Abend weiter zu einem Badestrand am ersten See. Hier konnten wir auf dem Wochenendgrundstück einiger junger Leute zelten. Leider war das Plumpsklo auf einem Hügel circa 30 Meter über dem See noch nicht ganz fertig. Der Türriegel lag mit Schrauben und Schraubenzieher neben der Klobrille, aber niemand hatte Zeit ihn anzuschrauben. So hatte man bei seinem Geschäft eine grandiose Aussicht über die Landschaft.

Am Sonntag sollte es wieder recht heiß werden. Schon vor acht Uhr saßen wir in den Booten. In Maldeuten an der Brücke gab es noch den kleinen Einkaufsladen. Durch die vielen Kühltruhen war der Laden angenehm kühl und das Einkaufen dauerte etwas länger. Schnell war auch der Röthlofsee erreicht, wo wir die nächste Nacht verbringen wollten und ein nachmittäglicher Abstecher zum Bräthlingsee geplant war. Der Zeltplatz bei Maldeuten glich einem Heerlager. Wir fragten uns, wo in dieser dünn besiedelten Gegend so viele Menschen herkommen können. Man gab uns aber den Tipp weiterzufahren, es käme noch ein Zeltplatz. Der Zeltplatz erwies sich als ruhig gelegenes Pfadfinderlager und weil gerade Mittagszeit war, wurden wir zum Essen eingeladen. Irgendwann kam dann auch Pani Komandante und die Formalitäten unserer Übernachtung konnten geklärt werden. Bei der Anmeldung herrschte großes Erstaunen, dass ältere Deutsche mit Muskelkraft solche Strecken zurücklegen und dann noch zelten. Hier wurde das Bild vom Deutschen gehörig erschüttert und das auch bei Polen, die lange in Deutschland gelebt hatten. Das sollte uns bei dieser Fahrt noch öfter passieren.
Am Abend fuhren wir doch noch zum Bräthlingsee. Man hatte extra vor uns den seit Jahren zugewachsenen Verbindungskanal frei geholzt. Der fast zehn Kilometer lange See ist stark verlandet und hat zahllose große und kleine Inseln. Leider mussten wir wegen der Dunkelheit bald umdrehen. Auch hätten wir kaum noch unseren Zeltplatz gefunden, da es hier weder Strom noch Licht gab.

Der nächste Tag sollte etwas kühler werden. Nur 33°C und Wolken. Es wurde somit eine längere Etappe nach Ostrode in Angriff genommen. Nach 16 Kilometern war dann das Ende des rinnenförmigen Röthlofsees erreicht und nach kurzer Kanalfahrt das Wasserstraßenkreuz von Liebemühl. An einem alten Kanalarm mitten im Ort hat man eine großzügige Anlegestelle neu gebaut, sodass es zum Einkaufen und zur Gaststätte nicht weit war. Der Kanal zum Drewensee mit seinen zwei Schleusen war doch etwas länger als geschätzt. Aus den geschätzten acht Kilometern wurden dann fast 14. Nach einigem Suchen fanden wir auch die Reste des abgelegenen Biwakplatzes. Leider war der Strand zugewachsen und der Platz von kleinen Bäumen bestanden. Schon ein Anlegen gestaltete sich schwierig. So beschlossen wir dann doch nach Ostrode zu fahren. Beim Ruderverein mit schattiger Wiese war niemand da. Alles war abgeschlossen, auch die Toiletten. Das ganze Gelände schien schon mal bessere Zeiten gesehen zu haben. Beim benachbarten Segelverein war der Hafenmeister aber noch da und wir konnten dort bleiben.

Trotz nahe liegendem Bahnhof und einiger Diskussion untereinander beschlossen wir, für zwei Tage in Ostrode zu bleiben. So standen wir nach den Siebenuhrzug nach Krakau auf, dessen circa 20 Haltepunkte deutlich angesagt wurden. Es wurde eine Tagesfahrt zum Schillingersee beschlossen. Zu diesem See mussten zwei Schleusen überwunden werden. Es ging durch einige Kanäle und über den Pausensee. Bei Hin- und Rückfahrt wurde hier aber keine Pause eingelegt. Nach circa sieben Kilometern war der Schillingersee erreicht. Er erinnert an den schmalen Luzin in Feldberg, ist aber mindestens dreimal so groß und lang. Nach circa zehn Kilometern wurde dann an einem verlassenen Badestrand eine Pause eingelegt und die Rückfahrt angetreten. Im Schleusenkrug wurde dem Verlust von Tommis Ruderkäse gedacht. Mit einer Shoppingtour durch Ostrode endete der Tag.

Wir verließen den gastlichen Seglerhafen nach dem Neunuhrzug und fuhren über Liebemühl zum Geserichsee. Hinter Liebemühl kreuzt der Kanal auf einem Damm einen sechs Meter tiefer liegenden See. Leider war alles so überwuchert, dass man davon nichts mitbekam. Am Nachmittag wurde der Gehserichsee erreicht, an dem auch unsere Fahrt zu Ende gehen sollte. Aber wir hatten noch drei Tage Zeit, um den See mit all seinen Armen zu erkunden. Nicht wie geplant auf einer ruhigen Insel, sondern auf dem Zeltplatzplatz am Ort wurde Quartier bezogen. Hier hatten wir zwar alle Annehmlichkeiten wie Einkaufsladen und Gaststätten, aber auch den Lärm beim Zelten. Es scheinen in Polen nur Jugendliche zu zelten und Zelten ist gleich Besaufen, laut und falsch singen und dann morgens ohnmächtig zusammenbrechen. Das Ganze wurde noch verstärkt durch ein Programm auf der hundert Meter entfernten Freilichtbühne, das um einige Stunden überzogen wurde. Trotz kurzer Nächte und Tagestemperaturen um 35°C bei denen jede Wolke und jeder Windhauch begrüßt wurden, haben wir noch Seenrundfahrten unternommen. Nach Deutsch Eylau betrug die Tagestour noch einmal 43 Kilometer. Hier wurden vor allem das klimatisierte Einkaufszentrum und der umgezogene Ruderverein, der im Freien auf einer Betonfläche einer Marina seine Boote lagert, besichtigt. Sonst gibt es auf dem See Natur pur.
Am Sonnabend, dem vorletzten Tag unserer Fahrt machten wir nach einer weiteren fast schlaflosen Nacht beim Zeltplatz den polnischen Abgang. Da an diesem Tag sowieso die Autos und der Hänger geholt werden sollten, war nur eine kurze Ruderfahrt geplant.
Die Fahrt sollte in Saalfeld am gleichnamigen See enden. Laut Karte sollten die Seen durch einen schmalen Kanal verbunden sein. Ob dieser Kanal überhaupt mit Ruderbooten befahrbar ist, konnten wir im Vorfeld nicht erkunden. Ein auffrischender Südwind lud uns zu einer Segeltour ein. Bei zunehmender Wellenhöhe konnten wir die Vorteile unserer Boote endlich einmal voll auskosten. Der Kanal war schwer zu finden, aber doch passierbar, obwohl es manchmal recht eng wurde. Auf dem Saalfelder See wurde weiter gesegelt. Leider war von einer Anlegemöglichkeit nichts zu sehen. Als wir am Seeende vor dem nahen Schilf schon fast zur verzweifelten Wende ansetzen wollten, tat sich versteckt im Schilf eine Durchfahrt zu einem Hafen mit Stegen, Bootsrampe, schattigen Bäumen und Zufahrtstraße auf. Die Frage, ob wir hier auf der Wiese die letzte Nacht verbringen, war schnell wegen eines nahen Volksfestes negativ geschieden. Nach vier Stunden hatten wir auch die Autos und den Anhänger da und konnten bei 37° C die Boote verladen. Beim Abholen der Autos erfuhren wir, dass am Tag am Röthloffsee bei den Pfadfindern für die Gegend mit 40°C ein neuer Hitzerekord aufgestellt wurde.
Gemütlich machten wir uns auf die lange Heimreise über holprige Straßen. Die Klimaanlagen in den Autos hatten voll zu tun. An der Weichsel gerieten wir in eine Gewitterfront mit Starkregen, dass es die Scheibenwischer nicht mehr schafften. Nach zehn Minuten war alles vorbei und es waren draußen nur noch 19°C. Obwohl wir recht zügig voran kamen, beschlossen wir, in Polen noch eine ruhige Nacht zu verbringen. Schnell hatten wir ein Hotel mit dazu gehörigem Badesee gefunden. Das Hotel erwies sich beim zweiten Blick als ziemliche Bruchbude, aber der Preis war okay. Nach längerem Ausschlafen und ausgiebigem Frühstück ging es den Rest der Strecke gemütlich gen Heimat. Am Nachmittag war der Verein erreicht und die Boote abgeladen.
Beim Abladen stellten wir fest, dass in Grünau in fünf Minuten mehr Motorboote vorbeifahren, als wir die ganze Fahrt lang getroffen hatten.
Wir verabschiedeten uns in der Hoffnung, bald ähnliche Fahrten zu erleben.
Bei der Verfolgung des Wetters in Ostrode habe ich festgestellt, dass es dort nach unserer Abreise das restliche Jahr nie wärmer als 20°C geworden ist. Also hatten wir mit unserer Hitze wirklich Glück.

Letzte Aktualisierung / last update: 05.10.2017