Unsere Vereinschronik

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1952
Hans Fuhrmann
Hans Fuhrmann
Die Betriebssportgemeinschaft (BSG) Turbine Wasserwerke Berlin, Sektion Rudern, wird mit etwa 12 Mitgliedern ge­gründet. Leider ist die Gründungsurkunde verschollen, aus der Einzelheiten zu entnehmen wären.
Das kleine Bootshaus befindet sich in Berlin am Bruno-Bürgel-Weg an der Oberspree und lässt sich dort auch heute noch finden. Neben den Ruderern, die über einen Gig-Doppel­vierer „Frei Weg“ verfügen, sind Kanuten mit zwei Faltbooten und ein Segler mit seinem Privatboot Mitglieder der Rudersektion.
Sektionsleiter wird Hans Fuhrmann. Hans war damals Meister bei den Wasserwerken. Er wurde von seiner da­ma­li­gen Betriebsleitung aufgefordert, er möge als ehemaliger Soldat doch seine Erfahrungen in die gerade gegründeten „Kampf­gruppen der Arbeiterklasse“, eine paramilitärische Organisation, einbringen.
Im Krieg schwer verwundet, lehnte er jedoch mit der verständlichen Begründung ab, er wolle nie wieder eine Waffe anfassen. Bevor er Ärger mit der Betriebsleitung bekam, machte ihm der technische Leiter der BSG Turbine Wasserwerke das Angebot, eine Wassersportgruppe innerhalb der BSG aufzubauen. Dieses Angebot nahm er dankbar an, waren doch damit sämtliche weiteren Verpflichtungen, sich politisch zu betätigen, erledigt. Hans sollte einige Jahre später einer der erfolgreichsten Wanderruderer der DDR werden.

Auf das Jahr 1952 geht also die Gründung des heutigen Ruderclub Turbine Grünau e. V. zurück, wenn auch das 50-jährige Jubiläum seines Bestehens gewissermaßen en passant übergangen wurde und die gebührenden Feierlichkeiten sicher erst zum 60. Gründungsjahr vollzogen werden.
Am Springsee: Hans und Waltraud Fuhrmann 1958. Foto: RCTG
Am Springsee: Hans und Waltraud Fuhrmann 1958. Foto: RCTG

17.08.1954
In Berlin-Grünau findet die Gründungsversammlung der BSG Turbine BEWAG (Berliner Elek­tri­zi­täts­werke AG), Sektion Rudern und Segeln, statt. Das vom Trägerbetrieb zur Verfügung gestell­te Bootshaus in der Regattastraße 183-185 wurde 1926 in der Regattastraße als Pension „Seestern“ mit Bootshausbetrieb errichtet.
Während des Krieges brannte ein Teil des Bootshauses ab. Es kam später in den Besitz der BEWAG, wurde repariert und renoviert. Der erste Sektionsleiter, Herr Krüger, kommt von den Seglern.
Insgesamt sind es acht Ruderer, die über einen Gig-Vierer, die Havel, verfügen und den or­gani­sier­ten Ruderbetrieb aufnehmen.
Noch liegt Schutt vor der Bootshalle Regattastraße 183-185, doch davon lassen sich die Ruderer nicht beirren; am Boot: D. Britting, W. Arndt und S. Gottschalk. Foto: Kurt Mihatsch
Noch liegt Schutt vor der Bootshalle Regattastraße 183-185, doch davon lassen sich die Ruderer nicht beirren; am Boot: D. Britting, W. Arndt und S. Gottschalk. Foto: Kurt Mihatsch

Ostern 1955
Die erste Wanderfahrt der BEWAG-Ruderer führt nach Kolberg, einem kleinen Ort am Wol­ziger See. Die Mannschaft: Dieter Britting, Achim Höhn, Wolfgang Arndt, Sieghart Gottschalk, Hannes Zellmer. Es ist gleichzeitig die erste „Eierfahrt“ in der Vereinsgeschichte. Alle Teil­nehmer sind überrascht, als sie eine Mandel Eier (15 Stück) überreicht bekommen. Diesen Brauch kannte doch niemand aus der Mannschaft: diejenigen Wassersportler, die im neuen Jahr als erste an einer Gaststätte anlegen, erhalten eine Mandel Eier. Die Sportler bedanken sich dafür mit einem Vers, eventuell mit einem Bild illustriert.

25.05.1955
Wolfgang Arndt
Wolfgang Arndt
Auf der 3. Versammlung der BEWAG-Ruderer erfolgte die Tren­nung von den Seglern. Die Abteilung Rudern wird nun­mehr eine eigen­ständige Sektion innerhalb der BSG Turbine BEWAG. Neuer Vor­sitzender der Sektion Rudern wird Wolfgang Arndt.

Sommer 1955
Eine der ersten „Urlaubsfahrten“ führt die Ruderinnen und Ruderer der BSG Turbine Wasser­werke zum Kleinen Müggelsee östlich von Berlin. Dort gibt es einen schönen Badestrand, es lassen sich Zelte aufstellen und ein befreundeter Segler erlaubt auch Segelpartien – bei den vielen teilnehmenden Mädels ein einmaliges Erlebnis!
Am Kleinen Müggelsee. Foto: RCTG
Am Kleinen Müggelsee. Foto: RCTG

24.08.1955
Auf der 5. Versammlung der Turbine-BEWAG-Ruderer wurde Hermann Jasslauck zum neuen Vorsitzenden gewählt. Neue Boote bzw. alte Boote, die überholt und neu aufgebaut wurden, werden gekauft: die Löcknitz, Woblitz und Spree. Insgesamt stehen nun 22 Bootsplätze zur Verfügung.

1955
Den Turbine-Wasserwerke-Ruderern steht zur Ausübung des Rudersports während der vier Jahre seit Sektionsgründung immer nur der über die Kriegswirren gerettete Gig-Vierer zur Verfügung. Dieser wird jedoch von den Sportbegeisterten ausgiebig für kurze Fahrten auf der Spree und für längere Fahrten in die ausgedehnten Ostberliner Gewässer genutzt.

14.03.1956
In einem Brief der BSG Turbine BEWAG wird den Ruderern der BSG Turbine Wasserwerke ein Zusammenschluss unter dem Namen „Trainingsgemeinschaft Turbine BEWAG und Turbine Wasserwerke“ vorgeschlagen. Zum gegenseitigen Kennenlernen erfolgt ein erster Besuch der Ruderer der Wasserwerke im BEWAG-Bootshaus Grünau.
Brief Stalter an Sektion Rudern - Wasserwerke
Brief Stalter an Sektion Rudern - Wasserwerke

15.05.1956
Das Bootshaus in der Regattastraße ist rundum repariert, der große Saal fertig ausgebaut und die Steganlage voll funktionsfähig. Das war unter den doch äußerst beschränkten materiellen Bedingungen der damaligen Nachkriegszeit eine große Leistung. Es folgt eine große Einweihungsfeier.
Insgesamt 29 Ruderer sind nun schon bei Turbine BEWAG als Mitglieder eingeschrieben, und sie widmen sich sehr aktiv dem Rudersport.
Bootshaus Turbine-BEWAG 1956. Foto: Kurt Mihatsch
Bootshaus Turbine-BEWAG 1956. Foto: Kurt Mihatsch

Mai 1956
Die Ruderer der Wasserwerke haben das Angebot vom März zur Bildung einer Trainings­gemein­schaft angenommen und sind nach Grünau umgezogen. Aus dem Vierer „Frei Weg“, den sie mitbrachten, wird die „Weser“. Not macht erfinderisch: die Metallbuchstaben werden einfach umgestellt, aus dem „g" wird ein „s" geformt und schon ist der neue Bootsname „Weser" fertig. Es existieren aber nach wie vor zwei Turbine-Sektionen, nämlich die der BSG Turbine BEWAG und die der BSG Turbine Wasserwerke Berlin. Das sind eben die Träger­betriebe, die diese beiden Rudersektionen finanziell unterstützen, und auf die Zuwendungen beider Betriebe sind die Ruderer trotz ihrer eigenen Anstrengungen angewiesen.

25.05.1956
Wegen der heute vorgenommenen Fusion der beiden Rudersektionen zur BSG Turbine Berlin/Sektion Rudern mit den Trägerbetrieben BEWAG und Wasserwerke Berlin ist eine Neu­wahl des gesamten Vorstandes erforderlich. Hans Fuhrmann wird der erste Vorsitzende, Herrmann Jasslauck der zweite Vorsitzende. Hans Fuhrmann soll bis zum Jahr 1983 der 1. Vorsitzende bleiben.

1956
Da die Mitgliederzahlen steigen, hat sich ein normaler Ruderbetrieb etabliert. Etliche Ruderer betreiben zum Teil recht erfolgreich das Rennrudern, die meisten anderen Ruderer dagegen bevorzugen das Wanderrudern. Im Wanderruderwettbewerb des Deutschen Ruder­sport­ver­bandes (DRSV) der DDR, an dem sich die Turbineruderer das erste Mal beteiligen, erreichen sie nach einem veralteten Wertungs­system einen bescheidenen 52. Platz. Im nächsten Jahr – nunmehr mit neuer Bewertungsbasis – ist es immerhin schon der 5. Platz im Republik­maßstab.
In diesem Jahr kann auch das erste sektionseigene Rennboot, der Riemenvierer Elbe, nach seiner Taufe auf Jungfernfahrt gehen.
Die Rudersektion Turbine gehört jetzt als vierte Sportgemeinschaft zu den Veranstaltern der „Rohrwallregatta" und bleibt bis zum Jahr 1983 dabei. Die Rohrwallregatta mit Start und Ziel am großen Rohrwall bei Berlin-Karolinenhof war einige Jahre zuvor von den dort ansässigen Ruderern ins Leben gerufen worden und fand großen Anklang bei den Ostberliner Ruderern.

1957
Der Bootspark wird um einen Renn-Doppelzweier erweitert, dessen erste Fahrt auf der Dahme von W. Arndt und A. Höhn bestritten wird.
Unsere Rennruderer haben eine erfolgreiche Mannschaft hervorgebracht, die viele Siege auf Regatten einfährt: im Vierer mit Stm. sitzen Wolfgang Arndt, Hannes Zellmer, Klaus Gutzeit, Achim Höhn und Stm. Jürgen Werner.
Der Jungmann-Vierer 1958. Foto: RCTG
Der Jungmann-Vierer 1958. Foto: RCTG

1958
Bei den Berliner Turbineruderern hat sich neben den schon vorher erfolgreichen Renn­ruderern eine ehrgeizige Jugendmannschaft herausgebildet. Sie trainiert unter der Leitung von Herrn Braschwitz auf der Grünauer Olympiastrecke und meldet sich nun zum Start an auswärtigen Regatten. Auf der Regatta in Neuruppin erringt die Mannschaft Klaus Westphal, Wolfgang Müller, Siegfried Winter, Heinz Grabasch, Stm. Dieter Beck im Gig-Vierer einen ersten Sieg für die Jugendruderer von Turbine Berlin. Der zweite hier startende Vierer mit der Mannschaft W. Arndt, H. Zellmer, K. Gutzeit, A. Höhn und Stm. J. Werner gewinnt ebenfalls sein Rennen und vervollständigt damit den gelungenen Einstieg in den Rennbetrieb außer­halb Berlins.
In den ersten Jahren unseres Ruderlebens beschränken sich die Wanderfahrten mit dem Zelt auf das Wochenende von unserem Bootshaus aus auf unser schönes Ruderrevier. Im Besonderen rudern wir bis zum Springsee, einem überaus reizvollen kleinen See inmitten mär­kischer Wälder, der sich unweit von Bad Saarow – jedoch am südlichen Ende des Schar­mützel­sees – befindet.
Die siegreiche Jugendmannschaft in Neuruppin. Foto: RCTG
Die siegreiche Jugendmannschaft in Neuruppin. Foto: RCTG

1959
Die Mannschaft: W. Arndt, K. Gutzeit, J. Schülke, A. Höhn, Stm.? Foto: RCTG
Die Mannschaft: W. Arndt, K. Gutzeit,
J. Schülke, A. Höhn, Stm.? Foto: RCTG
In den Jahren der Teilung, noch vor dem Mauer­bau, waren auch die Wasserstraßen um Ost­berlin mit Kontrollposten versehen. Man musste immer den Personalausweis zeigen, fuhr man über die Stadtgrenze. Doch manchmal hatten die Grenzer einen guten Tag und winkten einen durch. Die Wanderfahrt führt zum Möllensee. Wir durften freundlicherweise „ausreisen" ohne Kontrolle. Das dicke Ende kam dann auf der Rück­fahrt. Ein Ruder­kamerad hatte den Aus­weis vergessen, wurde aus dem Boot geholt und „zwecks Feststellung der Personalien" im Polizeiboot nach Erkner gebracht und dort ver­nommen. Gnädigerweise durfte er kurze Zeit später mit der S-Bahn zurück zum Bootshaus nach Grünau fahren.





Unsere Rennruderer siegen auf der Rohr­wall­regatta. Das ist ein sehr beachtlicher Erfolg für die insgesamt noch junge und nicht allzu große Rudersektion.
Im Achter: M. Pehl, R. Krebs, J. Schülke, G. Haase, H. Zellmer, K. Gutzeit, W. Arndt, A. Höhn, Stm. B. Haase. Foto: RCTG
Im Achter: M. Pehl, R. Krebs, J. Schülke, G. Haase, H. Zellmer, K. Gutzeit, W. Arndt, A. Höhn, Stm. B. Haase. Foto: RCTG

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