Unsere Vereinschronik

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1990
Anrudern bei Turbine 1990. Foto: Kurt Mihatsch
Anrudern bei Turbine 1990. Foto: Kurt Mihatsch
Nachdem nun die jahrzehntelang bestehenden Grenzen innerhalb Berlins zunächst politisch und allmählich auch baulich verschwunden sind, unternehmen die Turbineruderer voller Neugier und Interesse Wanderfahrten in den ehemaligen Westteil der Stadt. Erste Kontakte werden zu den dortigen Rudervereinen geknüpft, wir sind zu Gast beim Ruderclub „Saffonia", beim Ruderclub „Astoria" und bei der Berliner Ruder Gesellschaft. Wir lernen den Teltow­kanal, den Landwehrkanal, den Wannsee, den Tegeler See und andere Havel­gewässer kennen. Eine ganz „verwegene" Mannschaft findet schließlich sogar den Ruderweg nach Hamburg!
Nachdem also die Mauer gefallen war, hinderte uns niemand, auch auf der Ostsee zu rudern. Der Traum wurde wahr: wir konnten in diesem Jahr um die schönste und größte deutsche Insel, um Rügen, rudern. In Binz gestartet, ruderten Helma Westphal und Klaus Westphal in Richtung Stubbenkammer, und sie bezwangen bei Regen und Sturm am 2. Tag Kap Arkona, erreichten Dranske, Ummanz, Hiddensee, den Greifswalder Bodden und landeten am 7. Tag wieder in Binz.
Rund um Rügen - Helma und Klaus Westphal. Foto: K. Westphal
Rund um Rügen – Helma und Klaus Westphal. Foto: K. Westphal

09.11.1990
An diesem Wochenende findet zum ersten Mal die Wiedervereinigungsfahrt der Herren mit Teilnehmern aus Rudervereinen der ehemaligen Ost- und Westteile Berlins statt. Daran beteiligen sich auch Turbineruderer, unter ihnen Wolfgang Nehls, der auch späterhin immer wieder die Fahrt mitmacht. Sie wird in verschiedenen Bootsklassen gefahren und erschließt unterschiedliche Ruderreviere in Berlin und Brandenburg.

1990 - 1994
1990 erfolgt die Umbenennung des „VEB Energiekombinat Berlin“ in „Energieversorgung Berlin AG“ (EBAG). Die EBAG ist nunmehr der Eigentümer des Bootshauses, das wir weiterhin für die Ausübung des Rudersports nutzen können. Die anfallenden Betriebskosten übernimmt die EBAG, sie stellt auch einen Hausmeister. 1994 wird die EBAG in die (Westberliner) BEWAG eingegliedert.

1992
Das Bootshaus in Berlin-Grünau, Regattastraße 183/185. Foto: H. Thiergärtner
Das Bootshaus in Berlin-Grünau,
Regatta­straße 183/185.
Foto: H. Thiergärtner
Unsere Trainings­gemeinschaft über­dauert die Zeit der deutschen Wieder­vereinigung und existiert bis in das Jahr 1992. In diesem Jahr kündigen die bisherigen Träger­betriebe ihre langjährige Unter­stützung auf, und wir sind gezwungen, einen neuen eigen­ständigen Verein nach deut­schem Vereins­recht zu gründen.
Die bisherige „Trainings­gemein­schaft Turbine BEWAG/ EKB-Treptow und Turbine Wasser­werke", mit maximal 60 Mit­gliedern stets zur klein­sten Gruppe der Ruder­sektionen im DRSV der DDR gehörend, kann eine stolze Bilanz vorlegen. Neben den Er­folgen der Wander­ruderer gab es in den letzten vier Jahr­zehnten über 300 Siege durch unsere Renn­ruderer. Die Ruderer können aber auch über weitere Erfolge im Vereins­leben berichten:
An den Schwimm­wettkämpfen der Ruderer nahmen wir regelmäßig teil, es gab in den Winter­monaten Skat­abende, Kegel- und Bowling­tur­niere. Über viele Jahre fuhren wir zum Ski­langlauf nach Teller­häuser im Erz­gebirge. Tra­dition hat seit 1988 das Eis­bein­essen im Feb­ruar, organisiert von Rein­hard Kelle. Weiterhin gab es viele Feiern und fröh­liche Feste.
Ein wesent­licher Bestand­teil des Vereins­lebens ist die schon an­ge­deu­tete Boots­über­holung in den Winter­monaten. Hier wurden von allen Mit­gliedern tausende Arbeits­stunden aufgebracht, um die Boote für die näch­ste Ruder­saison vor­zu­be­reiten und dabei finanzielle Aus­gaben ein­zuschränken. Gäste, die bei Turbine ruderten, lobten stets das hervorragend gepflegte Boots­material. Es hat sich ein­gebürgert, die Turbine­boote nach deutschen Flüssen und anderen Gewässern zu benennen. So haben mehrere kleine Flüss­chen ihre Ehrung erhalten und wir finden mit der Panke, der Erpe und der Wuhle auch drei Gig­boote, die nach spät­eis­zeitlichen Rinn­salen im Berliner Stadt­gebiet benannt sind.
* * *

12.03.1992
Für die Turbineruderer beginnt mit diesem Tag eine neue Ära: Gemeinsam mit den im Bootshaus in Grünau ansässigen Seglern der bisherigen BSG Turbine EKB Treptow erfolgt die formelle Gründung des Ruder- und Yachtclubs Turbine e.V. Berlin (RYCTB).

26.03.1992
Siegfried Winter
Siegfried Winter
Der neu gegründete Ruder- und Yachtclub gliedert sich in die Abteilungen Rudern und Segeln. Jede Abteilung hat einen eigenen Vorstand. Der gesamte Club hat ebenfalls einen Vorstandsvorsitzenden, es ist Dieter Wehner von den Seglern. Zum neuen Vorsitzenden bei den Ruderern wird Siegfried Winter gewählt. Siegfried „Bulli" Winter hatte schon 1983 als zweiter Turbineruderer den „Äquator" umrundet, er war über viele Jahre hinweg Turbine-Vereinsmeister im Einer sowie vereinsinterner Sieger im Wanderrudern der Herren und er hat sich in der Sektionsführung wirkungsvoll hervorgetan.

17.07.1992
Die Fédération Internationale des Sociétés d'Aviron (FISA) widmet das 100. Rudertreffen der deutschen Wiedervereinigung und richtet es in Berlin aus. Etwa 1000 Teilnehmer rudern heute in den unterschiedlichsten Bootsklassen annähernd 40 km von verschiedenen Vereinen an der Havel im Westteil der Stadt über die Spree zu verschiedenen Vereinen an Spree und Dahme im Ostteil Berlins. Eingesprengt unter ihnen nehmen auch mehrere Turbineruderer daran teil. Die Spree in Berlin ist an diesem Tag für alle anderen Schiffe gesperrt. Die Fahrt ist ein groaßrtiges Erlebnis: zum einen wegen der zahl­reichen Teil­nehmer, die die Spree mit ihren Booten regelrecht übersähen, sich an der Mühlen­damm­schleuse in der Stadt­mitte stauen und mit­einander ins Gespräch kommen; zum anderen, weil die Stadt­durchfahrt über Jahrzehnte verboten war und dem Ver­nehmen nach auch in den folgenden Jahren nicht wieder zu­gelassen werden soll.

1993 - 1995
Mit der Eingliederung der EBAG in die BEWAG geht nun auch das Grundstück mit dem Bootshaus in der Regattastraße 183/185 wieder an die BEWAG. Den hiesigen Sportbetrieb soll die BEWAG gemäß Einigungsvertrag zwar bis zum Jahr 2004 aufrechterhalten. Anschließend müssten aber die Bedingungen für die Fortführung des Ruderbetriebes im Bootshaus der BEWAG zwischen Grundstückseigentümer und RYCTB neu ausgehandelt werden, oder wir müssen das Bootshaus räumen. Wegen der Betriebskostenabrechnung gibt es erste Differenzen mit der BEWAG, aber auch intern mit den Seglern. All diese Probleme belasten uns ziemlich, und es wird viel über die zukünftige Ausübung unseres geliebten Rudersports diskutiert. Eines aber bleibt unumstößlich: das Turbinerudern hat eine so erfolgreiche Tradition, dass es nicht in Frage gestellt werden wird. Ein Anschluss an einen anderen Ruderverein, der uns freundlicherweise mehrfach angeboten wurde, wird von fast allen Mitgliedern ausgeschlossen.

1993
Einer Einladung während des 100. FISA-Treffens folgend, beteiligen sich mehrere Turbineruderer an einer Fahrt auf dem Zürichsee. Das ist einmal etwas ganz anderes als das Rudern im Flachland und weckt den Wunsch nach weiteren Fahrten im Bereich der Alpen.

1995
Zum ersten Mal erscheint unsere Clubzeitung „Turbo". Sie erscheint ab jetzt jährlich und enthält Berichte sowie wichtige Informationen aus dem Vereinsleben.
Unsere Wanderfahrten führen uns nun in sämtliche Ruderreviere Deutschlands, aber auch in andere europäische Länder, eben überall dorthin, wo es Spaß macht, zu rudern. Es ist nur noch eine Frage der Organisation und Finanzierung und nicht mehr der politischen Grenzen, ob eine Fahrt unternommen werden kann oder nicht. Mit der neuen Freiheit eröffneten sich für uns neue Möglichkeiten, andere Gewässer und Ruderkameraden kennen zu lernen. Die Fahrten zu den jährlichen Wanderrudertreffen brachten uns allen viele neue Eindrücke und Erlebnisse. Die Entfernungen vom Bootshaus wurden immer größer und wir ruderten auf Rhein, Mosel, Neckar, Weser, Ems und Bodensee. Es zog uns schließlich bis nach Holland, Dänemark, Schweden, Österreich, die Schweiz und Italien.

01.02.1996
Wilfried Tetzlaff
Wilfried Tetzlaff
Wilfried Tetzlaff wird zum 1. Vorsitzen­den bei den Ruderern des RYCTB gewählt. Er rudert bei uns seit 1971, war bis 1976 Renn­ruderer mit Teil­nahmen an der Sparta­kiade, an DDR-Jugend­meister­schaften und DDR-Meister­schaften und hat wieder­holt erfolg­reich am jähr­lichen Wander­ruder­wett­be­werb teil­ge­nom­men sowie von 1975 bis 1980 und 1992 bis 1996 im Vor­stand der Sek­tion gearbeitet.
Mit seiner Wahl wird der Vor­stand deut­lich verjüngt. Über­haupt ist die Alters­struk­tur der Ver­ein­smit­glie­der schon seit einiger Zeit nicht mehr optimal. Viele unserer Ruderer haben in­zwischen das Renten­alter er­reicht oder sie sind vor­zeitig aus dem Arbeits­leben ent­lassen worden. Die „mitt­leren" Jahr­gänge sind zwar ver­treten, aber unter­re­präsen­tiert.

Große Anstrengungen sind nun und in Zukunft notwendig, um insbesondere junge Menschen an die regelmäßige Sportausübung im Verein heranzuführen: die neue Zeit stellt gerade an sie hohe Anforderungen an Ausbildung und Flexibilität und sie scheint nicht gerade geschaffen dafür zu sein, dass man sich über Jahre hinweg an einem Ort einer bestimmten Sportart widmen kann. So werden zwar durch großen Einsatz vor allem unserer „vereinstreuen" jungen Ruderinnen und -ruderer immer wieder Jugendliche zu Schnupperkursen und Mitgliedsbeitritten gewonnen, aber viele von ihnen räumen auch schnell wieder das Feld.

12. - 23. Juni 1996
Der Deutsche Ruderverband führt eine Wanderfahrt in Irland durch, an der auch unsere Ruderkameraden Wolfgang Nehls, Christel Arndt und Wolfgang Arndt teilnehmen. Die Tour auf dem Shannon, dem größten nichtbegradigten Fluss Europas sowie dem längsten Irlands und Großbritanniens, beginnt für 18 Ruderinnen und Ruderer in Carrick on Shannon und endet nach 263 km ohne Regen in Killaloe.

06.03.1997
Die Zusammenarbeit mit der Sektion Segeln im RYCTB hat sich nicht wie gewollt entwickelt. Deshalb, aber auch wegen der nicht lösbaren Differenzen mit der BEWAG, gründen die Ruderer heute einen neuen selbständigen Verein, den Ruderclub Turbine Grünau e. V. (RCTG). Gleichzeitig damit verbunden ist die Wahl eines neuen Vorstandes, dem der Ruderkamerad Wilfried Tetzlaff vorsteht. Da der Name „Turbine Berlin" von den ehemaligen Turbine-Handballern bereits belegt wurde, mussten wir in der Ortsbezeichnung auf „Grünau" ausweichen. Das tut der Traditionspflege indes keinen Abbruch, denn während es in der Großstadt Berlin über sechzig Rudervereine gibt, so hat Berlin doch nur das eine olympische Ruderrevier, nämlich Grünau.

1997
Die Ruderer des RCTG ziehen um in das Bootshaus Regattastraße. Es liegt direkt an der Grünauer Regattastrecke. Auf dem Gelände lastet zur Zeit ein einigungsbedingter Restitutionsanspruch des Akademischen Rudervereins (ARV), der noch zu klären sein wird. Das stattliche Bootshaus samt seiner Nebenanlagen gehört zu einem denkmalgeschützten Sportensemble, das im Unterschied zu anderen Berliner Wassersportanlagen nicht bzw. nicht ohne weiteres veräußert oder zweckentfremdet werden darf.

20.06.1997
Turbineruderer auf dem Mälarsee in Stockholm: Vor dem königlichen Schloss Drottningholm ...
Turbineruderer auf dem Mälarsee in Stockholm: Vor dem königlichen Schloss Drottningholm ...   Foto: RCTG
... und vor dem Stadthaus
(hier werden die Nobelpreise
vergeben).
... und vor dem Stadthaus (hier werden
die Nobelpreise vergeben).  
Foto: RCTG

Organisiert von Peter Möller, führt eine Wander­fahrt für eine Woche nach Stock­holm zum Mälar­see.

15 Tur­bine­ru­de­rer betei­ligen sich an dieser Fahrt.

Wir nehmen unsere eigenen Boote mit: es sind vier Zweier mit Stm., somit haben immer drei Ruderer Landdienst, und sie können in aller Ruhe die herrliche Stadt besichtigen.

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